Prof. Dr. Heinz Gerischer

Der Elektrochemiker H. Gerischer trat zuerst 1962 die Nachfolge von C.A. Knorr an, um danach 1964 Prof. Scheibe auf dessen Lehrstuhl zu folgen. (Die dadurch freiwerdende k.w. Professorenstelle (Extraordinariat) wurde später in eine o. Professorenstelle umgewandelt: Lehrst II f. Phys. Chem., s. F. Dörr)

Heinz Gerischer wurde am 31. März 1919 in Wittenberg geboren, studierte 1937 bis 1939 in Leipzig, erlangte 1944 das Diplom und wurde 1946 ebenda zum Dr. rer. nat. bei K.F. Bonhoeffer promoviert. 1946 bis 1949 war er Assistent an der Humboldt-Universität Berlin, danach forschte er am Max-Planck-Institut für Physikalische Chemie bis 1954 bzw. bis 1962 am MPI in verschiedenen Positionen für Metallforschung in Stuttgart. Von 1955 bis 1962 lehrte er daneben an der Universität Stuttgart.

1962 wurde er zuerst auf das Extraordinariat für Elektrochemie (C.A. Knorr) und 1964 in Nachfolge von G. Scheibe an das Institut für Physikalische Chemie berufen, dessen Direktor er von 1964 bis 1970 war. 1967/68 forschte er als Gastwissenschaftler am Lawrence Berkeley Laboratory, UCB. Nachdem er noch 1968/69 das Amt des Dekans der Fakultät für Allgemeinen Wissenschaften der TUM innehatte, nahm er 1970 den ehrenvollen Ruf als Direktor des Fritz-Haber-Instituts in Berlin an, dem er bis zu seiner Emeritierung 1987 vorstand.

Für seine Entscheidung, dem Ruf ans Fritz-Haber-Institut zu folgen, waren neben einer, der wissenschaftlichen Arbeit zu dieser Zeit nicht gerade zuträglichen, Stimmung an den deutschen Universitäten, sicher auch der Gedanke an seinen Lehrer Bonhoeffer entscheidend. Dieser hatte Habers ehemalige Wirkungsstätte übernommen und bis 1951 geleitet. Hier hoffte er den Plan verwirklichen zu können eine Forschungsstätte für das aktuelle Gebiet der Grenzflächenforschung aufzubauen.

Schon in den frühen Publikationen (von insgesamt ca. 230) fällt sein starkes methodisches Interesse auf. Er war immer bestrebt, möglichst einfache Reaktionen mit einer Vielzahl von Verfahren aufzuklären. Er entwickelte experimentell neue elektrochemisch relevante Methoden, löste Probleme auf geistreiche Weise praktisch wie theoretisch.

Auf Grund seiner Arbeiten wurde Heinz Gerischer zusammen mit Klaus Vetter erster Träger des neugestifteten Bodensteinpreises der Bunsengesellschaft. Er wechselte dennoch an das Max-Planck-Instiut für Metallforschung in Stuttgart als Abteilungsleiter. 1955 habilitierte er sich an der Universität Stuttgart und wandte sich insbesondere den Folgeprozessen der Durchtrittsreaktion zu. Er behandelte in 3 großen theoretischen Arbeiten Grundlegendes zu der Thermodynamik und Kinetik des Elektronenaustausches an Metall- und Halbleiterelektroden.

Gerischers Arbeiten waren geprägt durch Originalität und wissenschaftlicher Intuition.

Die Bandbreite seines Werkes spiegelt sich in mehr als 230 Veröffentlichungen wider . Viele seiner Schüler sind auf Lehrstühle für Physikalische Chemie berufen worden, wie W. Vielstich, H. Rickert, F. Beck und G. Ertl (Nobelpreis 2007). Letzterer wurde 1986 auch sein Nachfolger am Fritz Haber Institut.

(Anmerkung des Verfassers: G. Ertl verfasste seine Dissertations- (1965) und seine Habilita­tionsschrift danach in nur 2 Jahren mit H. Gerischer als Mentor während dessen und seiner Zeit (bis 1970) am Institut f. Physikalische Chemie der TUM)

Aus dem Extraordinariat für Elektrochemie wurde 1965 ein zweiter Lehrstuhl für Physikalische Chemie (Prof. Dörr) geschaffen. Schließlich wurde im Zuge der Hochschulreform noch der Lehrstuhl für Theoretische Chemie (Prof. Hofacker) in das "Institut für Physikalische und Theoretische Chemie" eingegliedert.

 

zurück zu "Lehrstuhl für Physikalische Chemie I"