Gründung der TH München

Um den zunehmenden Bedürfnissen der aufkeimenden Industrie, dem modernen Handel und Gewerbe und der immer mehr in technischem Maßstab ausgeübten Landwirtschaft gerecht zu werden, gründete der bayerische Staat in der ersten Hälfte des 19. Jhdts eine Reihe von Gewerbe- und Landwirtschaftsschulen, sowie drei sogenannte "Polytechnische Schulen" mit den Schwerpunkten Chemie (in Augsburg), Bauwesen (in München) und Metallgewerbe (in Nürnberg). Die in der Folge ständig zunehmende Bedeutung technischer Bildung veranlaßte das bayerische Königreich 1868 hierfür eine zentrale Einrichtung in München zu schaffen und mit dem Status einer Technischen Hochschule auszustatten. Das hierfür notwendige Gebäude an der Arcisstraße wurde von Gottfried Neureuther geschaffen.

Es ist vor allem dem Engagement des im Jahre 1852 nach München berufenen Justus von Liebig zu verdanken, daß die Chemie eine der "Gründungsfakultäten" der neuen Hochschule wurde. Justus von Liebig bekam bei seiner Berufung vom bayerischen König Max II. das großzügige Angebot, keinen Lehrbetrieb an der Universität München unterhalten zu müssen, und sich somit voll auf die Forschungen auf dem Gebiet der Agrarchemie konzentrieren zu können. Somit stellte die Polytechnische Schule München zu dieser Zeit die wichtigste Säule für die Hochschulausbildung der Chemiker in Bayern dar.Zu Beginn entstanden in der chemischen Abteilung ein Chemisches Laboratorium, ein Chemisch-technisches Laboratorium, sowie eine mineralogische Sammlung. Die Gründungsprofessoren Emil Erlenmeyer (Abteilungsleiter), Carl Stölzel (Chemische Technologie) und Georg Cajetan Kaiser (Allgemeine Chemie), bilden die Wurzel eines ansehnlichen Stammbaumes von Chemikern in dessen Ästen sich bedeutende Persönlichkeiten und im Bereich der Organischen Chemie sogar zwei Nobelpreisträger finden.

© Copyright 2000, Dr. Eric Fontain, TUM