Wilhelm von Miller (1848 – 1899)

Als Nachfolger Erlenmeyers kam Wilhelm von Miller, Sohn des berühmten Erzgießers Ferdinand von Miller (1813 – 1887; u. a. Schwanthalers Bavaria auf der Theresienhöhe, 1850), an die Kgl. Technische Hochschule. Er wurde im Jahre 1848 geboren, studierte bei Liebig und hatte noch bei Erlenmeyer den 3jährigen „Curs für technische Chemiker“ absolviert. Er promovierte im Jahre 1874 an der Münchner Universität, bekam dann bei Erlenmeyer eine Assistentenstelle und habilitierte sich bereits ein Jahr später (1875). Miller ging auf die Wanderschaft zum großen August Wilhelm von Hofmann nach Berlin. Dort legte er die Basis für die spätere Farbstoffchemie, die mit seinem Namen verbunden sein sollte.

Als Nachfolger von Erlenmeyer forcierte er insbesondere die Analytische Chemie als Ausbildungsfach. Miller begründete die „Münchener Chemische Gesellschaft“, die bis auf den heutigen Tag fortlebt und an ihn erinnert. Die von ihm initiierten elektrochemischen Arbeiten in der chemisch-technischen Abteilung führten zur Einrichtung eines Elektrochemischen Laboratoriums, das er als Schwiegersohn des Großbrauereibesitzers und Kommerzienrats Gabriel von Sedlmayr (Spatenbräu) selbst finanzieren konnte. Millers Assistent Klobukow stattete das Labor so aus, dass bei der Elektrifizierung der Kgl. Technischen Hochschule (1892) in einer Umformeranlage Strom unterschiedlicher Spannung erzeugt werden konnte. Später nahm Wilhelm von Millerdas erste moderne Röntgenlabor in Betrieb, nachdem Wilhelm Röntgen in Würzburgdie nach ihm benannte Strahlung entdeckt hatte (1895). Wilhelm von Miller verstarb am 1. März 1899 auf dem Höhepunkt eines Forscherlebens im Alter von erst 51 Jahren.

Millers Bruder Oskar v. Miller (1855 – 1934) war ein bedeutender Ingenieur. Er führte in München ab 1882 die elektrische Beleuchtung ein (u. a. Heise-/Brienner Strasse), gründete das Deutsche Museum (ab 1903; eröffnet 7.5.1925) und die Bayernwerk AG (1921). Die Elektrifizierung Bayerns einschließlich der Errichtung von Wasserkraftwerken (Walchensee-Kraftwerk) ist sein Verdienst. Auf Oskar v. Miller geht auch die heutige Versuchsanstalt für Wasserbau der TU München in Obernach a. Walchensee zurück.